Zurück nach Deutschland

Heute soll es zurück nach Deutschland gehen. Von Gedser nach Wismar wäre ein bisschen weit, aber Gedser ziemlich genau gegenüber, also südlich, liegt der Hafen Kühlungsborn. Wir müssen nur die Mecklenburger Bucht (ein weiteres Verkehrstrennungsgebiet) überqueren.

Der Wetterbericht sagt für den 9. Juli leichten Wind aus östlichen Richtungen und Regen vorher. Wie es aussieht, steht uns eine weitere Etappe unter Motor bevor. Damit wir für die knapp 30 Seemeilen genug Sprit haben, geht Philipp nach dem Frühstück noch tanken. Im Hafen werden Leiterwägen kostenlos zur Verfügung gestellt, so können Tank und Reservekanister leicht bis zur Tankstelle und wieder zurück transportiert werden.

Um 11:20 Uhr legen wir in Gedser ab. Die Fahrt aus dem Hafen verläuft anders als am Vortag ohne Komplikationen. Eine Stunde später erreichen wir das letzte Tonnenpaar des Fahrwassers und gehen auf Kurs Kühlungsborn. Es regnet. Nicht stark, aber widerwärtig fein und es ist kalt. Philipp hat sich wegen des Regens ein bisschen Sorgen gemacht, ob die Sicht ausreicht, um die sich schnell nähernden Berufsschiffe im Verkehrstrennungsgebiet rechtzeitig auszumachen. Die Befürchtung erweist sich als unbegründet. Lange bevor wir das Verkehstrennungsgebiet erreichen, sehen wir die Schiffe und können einschätzen, ob wir ausweichen müssen. Sylvie und Philipp wechseln sich an der Pinne ab. Während einer steuert, kann sich der andere hinter dem Sprayhood etwas vor Regen und Kälte schützen und den Schiffsverkehr überwachen. So muss der Rudergänger nicht dauernd die Brille putzen.

Die See ist glatt, die Fahrt verläuft ereignislos. Einem Schiff weichen wir in großem Abstand aus, für alle anderen ist keine Kurskorrektur erforderlich. Nach dem Verlassen des Verkehrstrennungsgebiets queren wir ein militärisches Übungsgebiet. Heute finden keine Manöver statt, sodass das Befahren keinen Verstoß bedeutet. Plötzlich ist achteraus ein Pfeifen zu hören, dessen Lautstärke sich in ein ohrenbetäubendes Grollen steigert. Philipp dreht sich um, er vermutet, dass der Außenborder in den letzten Zügen liegt, als ein Tornado Kampfjet im Tiefflug hinter Lady Garlic vorbeifliegt. Einige Sekunden später wiederholt sich das Spektakel, ein zweiter Tornado röhrt achteraus vorbei. Hannah ist begeistert und hofft auf weitere Flugzeuge. Die kommen aber (zum Glück) nicht. Sylvie und Philipp haben etwas weiche Knie und Sylvie wähnt ab jetzt hinter jedem Schiff, das am Horizont zu sehen ist, wechselweise ein Kriegsschiff oder ein U-Boot.

Nach dem Schrecken, den uns die beiden Tiefflieger eingejagt haben, stellen wir fest, dass die See etwas höher wird und der Wind zunimmt. Er kommt sogar aus einer brauchbaren Richtung – Nordost. Zur Unterstützung unseres doch nicht explodierten Außenborders rollen wir die Fock aus. Sofort liegt Lady Garlic ruhiger im Wasser und wir machen deutlich mehr Fahrt. Gedser ist schon lange nicht mehr zu sehen und wir warten gespannt darauf, dass die Deutsche Küste durch die Regenschleier zu sehen ist. Nach einiger Zeit zeichnet sich an Backbord Land am Horizont ab, voraus aber nur Waschküche. Wieder etwas später, etwa 3 Seemeilen vor unserem Ziel holt Sylvie den Hafenführer und liest Details zum Yachthafen Kühlungsborn vor. Bei auflandigem Wind stehen vor der Einfahrt hohe Grundseen. Der Wind hat jetzt auf 4 bis 5Bft. aufgefrischt und kommt weiterhin aus Nordost. Also etwas auflandig und etwas kräftig. Steuerbord voraus werden die Konturen eines Küstenwachschiffs sichtbar. Erst werden wir von Tieffliegern beobachtet, jetzt wartet die Küstenwache auf uns? Zum Glück ändert sich die Peilung des Polizeiboots, es liegt entweder vor Anker oder hält seine Position und zum Glück sehen wir jetzt endlich auch Land voraus. Wir sind sogar recht dicht vor unserem Ziel, also wird die Fock eingerollt. Wir können die Hafenmole und dahinter die Masten der Segelboote in der Marina sehen, müssen aber weiter unseren Südkurs halten, weil die Einfahrt nur auf Westkurs passierbar ist; das ganze ist wie scharf rechts abbiegen mit dem Auto. Nur können wir nicht einfach mal bremsen. Der nördliche Molenkopf ist jetzt steuerbord voraus gut zu sehen. Ebenfalls gut zu sehen sind die hohen Grundseen. Wir halten Kurs, direkt auf das Land voraus zu, hinein in die kochenden Grundseen. Lady Garlic wird ordentlich durchgeschüttelt. Wir klarieren Fockschot und Rollreffleine. Sollte der Motor jetzt ausfallen, müssen wir sofort die Fock ausrollen können, damit wir nicht antriebslos auf Land oder gegen die Hafenmole gesetzt werden. Endlich haben wir die die nördliche Mole querab und biegen scharf nach Steuerbord. Lady Garlic surft auf zwei oder drei Wellen durch die Einfahrt. Zum Glück haben wir einen kursstabilen Langkieler, der nicht so leicht aus dem Ruder läuft. Dann, auf einmal, ist das Wasser schlagartig glatt, wir sind im Hafen und müssen nur noch eine freie Box finden. Um 17:10 Uhr legen wir an.

Wir haben es fast geschafft. Nach 27 Seemeilen sind wir in Deutschland angekommen. Nach Wismar ist es nicht mehr weit, noch eine Etappe und wir sind am Ziel.

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