Rolling Home

Der heutige 11. Juli fängt mit dem dem Schlafengehen an, nämlich um 5 Uhr in der Früh. Um diese Uhrzeit krabbelt Philipp in den Koje, vorher ist er mit der Fähre nach Dänemark (und wieder zurück) gefahren, um unser Auto aus Rødvig zu holen. Wegen Hannahs Blasenentzündung mussten wir kurz vor unserem Ziel Wismar einen Hafentag in Kühlungsborn einlegen. Die Zeit haben Sylvie und Hannah genutzt, um mit der Einnahme von Hannahs Antibiotikums zu beginnen und sich Kühlungsborn anzusehen. Philipp ist am Vortag mit dem Bus nach Rostock, von dort mit der Fähre nach Gedser und mit dem Zug weiter nach Rødvig gefahren. Die Fähre zurück nach Rostock hat um 2:15 Uhr in Gedser abgelegt und jetzt um 5 Uhr geht Philipp erst mal schlafen. Bis um 9 Uhr. Da klingelt der Wecker.

Wir frühstücken, holen noch einen Kanister Benzin und legen um 11:30 Uhr ab. Vor uns liegt die letzte Etappe unseres Urlaubs, wir segeln Lady Garlic in ihren neuen Heimathafen Wismar. Der Wetterbericht sagt westlichen Wind mit 4Bft. voraus. Da wir heute keinen auflandigen Wind haben, ist die Ausfahrt aus dem Hafen unproblematisch, die See ist nur mäßig bewegt. Zehn Minuten nach dem Ablegen sind die Segel gesetzt und der Motor ausgeschaltet. Weil der Wind aus Westen kommt und wir nach Westen möchten, müssen wir aufkreuzen. Lady Garlic fühlt sich wohl, legt sich aufs Ohr und zieht mit 5 Knoten durch das Wasser.

Nach ein paar Wenden meldet sich Hannah. Sie muss aufs Klo. Wir bekommen in Farbe und bunt die Nebenwirkung des Antibiotikums zu spüren – Hannah hat Durchfall. Es folgt eine Akrobatikeinlage auf der Pütz mit Hilfestellung von Sylvie. Hannah bleibt ziemlich entspannt und ist weiter gut gelaunt. Das selbe wiederholt sich etwas später ein zweites Mal, was der guten Stimmung bei Hannah, Sylvie und Philipp keinerlei Abbruch tut. Wir segeln gerade nach Hause.

Der Verlauf der Küste ändert sich von West auf Südwest. Wir müssen nicht mehr kreuzen, sondern können auf dem selben Bug parallel zum Land segeln. Gegen 16 Uhr erreichen wir das erste Tonnenpaar des Fahrwassers nördlich der Insel Poel. Poel liegt im Nordosten der Wismarbucht und hat einen ziemlich schönen Strand. Den sehen wir heute leider nur aus der Ferne, aber wir kommen bestimmt bald wieder. Irgendwann bergen wir die Fock, werfen den Quirl an und umrunden Poel im Westen. Noch ein Stück später, Wismar ist schon deutlich zu erkennen, kommt auch noch das Großsegel herunter und wir tuckern in den Westhafen. Nach zwei vergeblichen Versuchen unseren Liegeplatz zu finden machen wir erstmal an einem der Stege fest und erkunden zu Fuß, wo wir genau hin müssen. Unsere Box ist schnell gefunden, wir legen wieder ab und vertäuen Lady Garlic wenige Minuten später nach 34 Seemeilen in ihrer Box. Zum ersten Mal ist eine Box für uns rot gekennzeichnet.

Wir haben es geschafft. Gerade rechtzeitig sind wir an unserem Ziel angekommen. Wir haben einen Fender verloren und sind einmal weich aufgebrummt. Kein Crewmitglied wurde ernsthaft krank, niemand hat sich verletzt. Es gab keine Auseinandersetzungen, keine nie-wieder-segeln-Schwüre. Wir haben viel erlebt, gesehen und gelernt, sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, haben erfreut festgestellt, dass wir uns sogar auf engstem Raum nicht an die Gurgel gehen, dass auch ein vermeintliches Chaos eine eigene Ordnung haben kann und dass „griffbereit“ eine stark unterschätzte Vokabel ist.

Wir sind stolz auf unsere Lady Garlic und vielleicht ein kleines bisschen auf uns.

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