Last Exit Skanör

Am heutigen 2. Juli ist die Wetterstituation ähnlich dem Vortag, anfangs etwas zu viel Wind und noch gelegentlich Regen, ab Mittag dann 3Bft. und Sonnenschein. Wir können also ausschlafen. Wegen der höheren geographischen Breite wird es in Schweden im Sommer später dunkel (und früher hell) , sodass wir auch um 22 Uhr noch Tageslicht haben. Wir können also spät ablegen ohne eine Ankunft bei Dunkelheit zu riskieren – mit einer teilweise unerfahrenen Crew nicht empfehlenswert. Durch die langen Tage haben wir einen anderen Biorhythmus – Sylvie und Philipp gehen selten vor Mitternacht schlafen und auch Hannah lässt sich frühestens um halb elf dazu bewegen in ihre Koje zu kriechen. Entsprechend lang schläft sie am Morgen. Zu Hause in Dachau ist Hannah meistens vor 7 Uhr wach, hier im Urlaub schläft sie bis 10 Uhr oder länger.

Heute ist das egal. Wir frühstücken in Ruhe, machen Lady Garlic seefertig und legen kurz vor 14 Uhr in Lomma ab. Wir wollen weiter nach Süden, idealer Weise bis Skanör, der aller südwestlichsten Südwestecke Schwedens. Weil es anfangs noch etwas stärker wehte als Sylvie geheuer war, haben wir (bei Folkebooten eigentlich ein Sakrileg) noch im Hafen ein Reff eingebunden. Das Reff haben wir kurz nach Verlassen des Hafens wieder ausgeschüttelt und kreuzen Richtung Südwesten auf. Sylvie fährt ihre ersten Wenden und hat Spaß beim Steuern. Unser erstes Zwischenziel ist die Öresundbrücke. Sie verbindet Dänemark (Kopenhagen) mit Schweden (Malmö). Auf Dänischer Seite ist der Sund untertunnelt, auf der künstlichen Insel Peberholm führt der Landweg aus dem Tunnel heraus und es geht über die Öresundbrücke weiter nach Schweden. Hätten wir es vor ein paar Tagen nach Kopenhagen geschafft, wären wir auf der Weiterfahrt über den Tunnel weggeschippert. Weil wir den Sprung nach Dänemark aber noch nicht geschafft haben, müssen wir heute unter der Brücke durch. Am Hauptjoch beträgt die Durchfahrtshöhe 55 Meter, diese Durchfahrt ist aber nur für die Berufsschifffahrt zugelassen. Weiter im Osten gibt es ein Nebenfahrwasser, die Trindelrinne, und hier beträgt die Durchfahrtshöhe immer noch 34 Meter, aber auch die anderen Durchfahrten haben ausreichend Höhe und ausreichend tiefes Wasser. Wir haben vor, die Trindelrinne oder ein benachbartes Joch zu nehmen. Obwohl eigentlich nichts schief gehen kann, ist Philipp ein bisschen mulmig.

Um 17 Uhr haben wir Malmö an Backbord querab. Der Wind hat von West auf Nordwest gedreht und nachdem wir auf Südkurs gegangen sind, haben wir halben Wind. Wenigstens müssen wir nicht am Wind unter der Brücke durch. Die Brücke kommt immer näher. Wir picken uns ein Joch westlich der Trindelrinne als Durchfahrt. Um 17:50 fahren wir unter die Brücke, nach Lee lassen wir etwas mehr Platz zum nächsten Pfeiler als nach Luv. Die Pfeiler sind sehr breit und als wir in den Windschatten des Luvpfeilers kommen, reduziert sich schlagartig die Geschwindigkeit. Lady Garlic schaukelt unter der Brücke und schiebt sich mit ihrer Restfahrt weiter. Ein paar sehr lange Sekunden später fassen wir wieder Wind und Lady Garlic zieht wieder an. Geschafft, die Öresundbrücke liegt hinter uns.

Südlich der Brücke befindet sich der nächste Fremdkörper im Wasser: der Windpark Lillegrund. Lillegrund liegt ein Stück westlich. Eigentlich hatten wir vor den Windpark westlich zu umfahren. Weil wir aber mittlerweile günstigen Wind haben und kaum Boote unterwegs sind, denen wir ausweichen müssen, beschließen wir zwischen den Windrädern und dem Schwedischen Festland durchzufahren. Die Entscheidung erweist sich als richtig. Das Fahrwasser ist gut ausgetonnt, die Sicht weit und wir haben noch ausreichend lang Tageslicht. Um 19:30 Uhr rollen wir die Fock ein, um bessere Sicht zu haben, eine halbe Stunde später lassen wir den Quirl an, bergen das Groß und tuckern in den Hafen von Skanör. Um 20:15 Uhr machen wir in einer freien Box fest.

Skanör erinnert ein bisschen an Torekov, etwas schickimicki, aber in erträglichem Ausmaß. Die Hafenbars sind gut besucht, Hannah bekommt ein Eis, Sylvie und Philipp essen Hotdogs.

Wir haben 28 Seemeilen zurückgelegt. Die Idee als nächste Etappe 60 Seemeilen über offenes Wasser nach Rügen oder Hiddensee zu segeln verwirft Philipp. Von Skanör müssen wir nach Dänemark. Die Vorstellung Møns Klint zu umrunden und bis Klintholm zu segeln ist reizvoll, allerdings sind bei vorhergesagten 4 bis 5Bft. aus Westen Zweifel angebracht, ob Klintholm erreichbar ist. Wir werden sehen. Heute haben wir gut Strecke gemacht, liegen brauchbar in der Zeit, sollten aber nicht trödeln.

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