Die nächste Großstadt

Nach einem Hafentag, den Philipp genutzt hat, um das Auto aus Göteborg, dem Ausgangspunkt unserer Reise, nachzuholen, geht es am heutigen 27. Juni weiter.

Die Bootsnachbarn in Torekov haben uns die schwedische Insel Ven wärmstens ans Herz gelegt. Ven liegt im nördlichen Öresund und genau dort möchten wir hin. Allerdings sind es knapp 40 Seemeilen bis Ven. Wir wollen nach Süden aber der Wind kommt – wenn überhaupt – ebenfalls aus Süden. Für die Nichtsegler (seemännisch Landratten), die unseren Blog mitlesen: Ein Segelboot kann nicht direkt gegen den Wind fahren, sondern nur einen bestimmten Winkel zum Wind. Man nennt das „Am-Wind-Kurs“, der Wind kommt schräg von vorn und je mehr Wind bläst, desto schräger liegt das Boot im Wasser. Um ein Ziel zu erreichen, das auf direktem Kurs unerreichbar „im Wind“ liegt, muss man aufkreuzen, man nähert sich also auf einem Zick-Zack-Kurs.

Um 11 Uhr heißt es Leinen los in Torekov und kurz darauf Segel hoch und Motor aus. Und dann passiert erst mal gar nichts. Der Wind ist eingeschlafen und wir dümpeln vor uns hin. Nach einer dreiviertel Stunde rollen wir die Fock ein und starten den Motor. Backbord verschwindet wieder das Land, weil wir wieder eine Bucht (Skälderviken) kreuzen, nur voraus sehen wir Land: Die Landzunge Kullen. Und hinter Kullen taucht am Horizont langsam Dänemark auf.

Als wir den Eingang des Öresunds erreichen, lässt unsere Geschwindigkeit über Grund trotz laufenden Motors nach. Wir haben nordsetzenden Strom. Die Geschwindigkeit reduziert sich auf ca. 3,5 Knoten, normal wären 5 Knoten. Wir kommen nur langsam voran und beschließen deshalb Ven auf den nächsten Tag zu verschieben. Stattdessen wird Helsingborg unser heutiges Ziel. Um zwanzig vor acht machen wir nach 29 Seemeilen in Helsingborg Norra Hamnen fest.

In Schwedischen Häfen ist es normal die Hafengebühr an einem Automaten zu zahlen. Man erhält eine ausgedruckte Quittung (meist mit dem Code für die Sanitäranlagen und den WLAN-Zugangsdaten des Hafens) und einen Aufkleber für den Bugkorb. In Helsingborg ist der Zahlungsweg noch virtueller: Man scannt einen QR-Code mit dem Smartphone, macht Angaben zu Liegeplatznummer, und zum Boot und muss dann die Daten der zur Zahlung vorgesehenen Karte eingeben. Blöd, dass Deutsche EC-Karten, zumindest unsere, keinen vierstelligen Sicherheitscode haben. Zahlung nicht möglich. Der sehr nette Hafenmeister lässt sich auf Barzahlung am nächsten Morgen ein.

Also gehen wir in die Stadt und suchen uns ein Lokal zum Abendessen. Wir kommen aus Oberbayern. Wir weisen eine genetisch prädisponierte Affinität zu Weißwürsten und Schweinebraten auf. In Helsingborg essen wir einen denkwürdig leckeren Schweinekrustenbraten (nach Dänischen Rezept). Das Restaurant war für Schwedische Verhältnisse günstig, wir sitzen nett im Freien. Auf dem Rückweg zum Boot suchen und finden wir noch einen Geldautomaten für die Hafengebühr.

Mit mehr als 100.000 Einwohnern ist uns Helsingborg zu groß. Am nächsten Tag wollen wir es endlich nach Ven schaffen.

2 Antworten auf “Die nächste Großstadt”

  1. Hannah ist eine richtige seefrau, hat aber ein gutes vorbild. Der fotografin ein grosses kompliment. Und danke für die schöne Berichtertattung.
    Lieber gruss richu annelies

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    1. Vielen Dank Euch beiden!

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