Die dritte Etappe

Nach dem Hafentag in Varberg und dem verkürzten zweiten Tag auf See war es wichtig, dass wir ein Stück weiter nach Süden kommen.

Immerhin befinden wir uns auf einem Überführungstörn; wir haben ein festes Ziel, Lady Garlics neuen Heimathafen Wismar und ein Zeitfenster zum Erreichen unseres Ziels. Das Zeitfenster ist durch Philipps Urlaub vorgegeben. Uns stehen drei Wochen zur Verfügung. Die Besatzung besteht aus drei Personen, von denen zwei – Sylvie und Hannah – noch nie segeln waren. Wir sehen uns mehreren Herausforderungen konfrontiert:

  • Wir haben örtliche und zeitliche Vorgaben. Sollten wir Wismar nicht rechtzeitig erreichen, müssten wir einen Interimshafen für Lady Garlic finden und sie zu einem späteren Zeitpunkt nach Hause segeln.
  • Stünde das rechtzeitige Erreichen Wismars zu sehr im Vordergrund, könnte die Freude am Segeln für Hannah und Sylvie so sehr beeinträchtigt werden, dass sich die Anschaffung von Lady Garlic als Fehlinvestition erweist.

Am 25. Juni sieht es gut aus. Wir haben ausreichend aber nicht zu viel Wind aus einer brauchbaren Richtung (Westen) und die Sonne scheint. Wir möchten weiter nach Torekov. Die Tagesziele suchen Sylvie und Philipp gemeinsam aus. Zunächst checken wir das Wetter mit der App des schwedischen Wetterdienstes SMHI, wir wissen also wie weit wir realistischer Weise an einem Tag kommen. Dann suchen wir einen Hafen in passender Entfernung. Wir haben beschlossen durch den Öresund entlang der schwedischen Küste weiter nach Süden zu segeln. Den Plan frühzeitig, also nördlich der Insel Seeland, dänische Gewässer zu erreichen setzen wir nicht um.

Wieder legen wir gegen 10 Uhr ab. Das Großsegel ist zügig gesetzt, kurz darauf rollen wir das Vorsegel aus und schalten den Quirl ab. Seglerisch unterscheidet sich der heutige Tag wenig von unserer letzten Etappe – das Wetter ist wunderbar, der Wind kommt aus der richtigen Richtung, alle sind gut gelaunt. Einen Unterschied gibt es: wir queren die Laholmsbucht, das schwedische Festland an Backbord verschwindet fast, nur voraus sehen wir deutlich die Landzunge, auf der sich Torekov befindet.

Torekov vorgelagert ist eine Felseninsel, Hallands Väderö. Wir laufen von Norden kommend in die Passage zwischen Festland und Insel ein, bergen gegen 18 Uhr die Segel und starten den Motor. Der Hafen ist ziemlich voll. Wir machen zunächst in einer freien, nicht gekennzeichneten Box fest, nur um kurz darauf vom ankommenden Liegeplatzinhaber wieder verscheucht zu werden. Die einzige freie Stelle befindet sich neben dem Mastkran, dort machen längsseits fest.

Der Hafenmeister, ein Österreicher, den „die Liebe zum Meer“ von den Alpen nach Schweden verschlagen hat, lässt uns bleiben. Kaum haben wir fest gemacht, werden wir von der Crew des nächsten Boots, Eltern mit Kindern, auf ein Glas Rotwein eingeladen. Hannah freundet sich mit den Kindern an, wir machen Würstchen warm, die Kinder spielen und die Erwachsenen ratschen.

Wir haben 30 Seemeilen zurückgelegt, haben das vorgesehene Ziel erreicht und hatten Spaß beim Segeln. Auf Sylvies Punktekonto steht es 2:1 für Lady Garlic.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.