Bøøgie-Wøøgie (I. Teil)

Heute ist der 7. Juli, seit dem 3. Juli liegen wir eingeweht in Rødvig. In den letzten Tagen hat der Wind wie vorhergesagt auf 7Bft. aufgefrischt. Nachts hat Lady Garlic wild an ihren Festmachern gezerrt, das Boot hat ordentlich geschaukelt und geknarzt. Am 4. Juli hat Philipp das Auto aus Torekov nachgeholt. Einen Tag haben wir zum Einkaufen und für einen Ausflug mit dem Auto nach Stevns Klint genutzt, und gestern war Strand- und Grilltag.

Heute sieht das Wetter halbwegs brauchbar aus, es soll mit 5Bft. aus Westen wehen. Das ist zwar mehr als wir uns sonst zumuten, aber uns läuft die Zeit davon. Außerdem befinden wir uns in der Faxebucht, die Wetterstrecke, also die Strecke, die der Wind über offenes Wasser wehen und eine hohe See entstehen lassen kann, ist recht kurz. Wir haben uns entschlossen die „Binnenroute“ durch den Bøgestrom zu nehmen. Der Bøgestrom ist die östliche Einfahrt in das geschützte Gewässer zwischen den Inseln Seeland im Norden und Møn im Süden. Ein Tagesziel haben wir uns nicht wirklich gesetzt. In der auf den Bøgestrom anschließenden Stege Bucht und den darauf im Westen folgenden Gewässern gibt es genügend kleine Marinas, sodass wir jederzeit anlegen können. Hesnæs und Gedser, beide auf der Insel Falster, liegen aber in Reichweite.

Sylvie und Philipp sind um 5 Uhr aufgestanden, haben auf ihre morgendlichen Heißgetränke (Kaffee für Sylvie, Tee für Philipp) verzichtet, Lady Garlic seeklar gemacht, Hannah geweckt, in Ölzeug und Schwimmweste gepackt und in der Salonkoje wieder schlafen gelegt. Um 6 Uhr waren die Leinen los und wir motoren ohne Segel auf der Direttissima zur rot-weißen Ansteuerungstonne des Bøgestroms. Als wir die Tonne um kurz nach 8 Uhr erreichen, weht es heftig aus Westen und die See ist höher als erwartet. Nach der Ansteuerungstonne müssen wir zwischen dem ersten Tonnenpaar des Bøgestrom-Fahrwassers durch. Wegen der beiderseits des Fahrwassers liegenden Flachs können wir nicht riskieren den Tonnenstrich zu verlassen.

Wir halten auf das Tonnenpaar zu, kommen ihm aber nicht näher. Unser Quirl läuft mit Vollgas, aber die Logge zeigt eine Geschwindigkeit von weniger als 1 Knoten über Grund an. Normalerweise beschleunigt der Yamaha Lady Garlic auf 5 Knoten, ohne dabei Vollgas auf Anschlag zu geben. Wir haben also einen Strom von über 4 Knoten gegen uns. Segeln können wir auch nicht, der Wind kommt direkt von vorn und aufkreuzen wäre angesichts der Strömung eine Sisyphusarbeit ohne Aussicht auf Erfolg. Unser Plan in den Bøgestrom einzulaufen funktioniert nicht.

Wir kehren also um, schalten den Quirl ab und kreuzen nur unter Vorsegel Richtung Nordwesten zurück zur Küste Seelands, neues Ziel Faxe Ladeplads. Irgendwann wacht Hannah auf und kommt zu uns ins Cockpit. Sie ist gut gelaunt, trotz des Aufenthalts unter Deck nicht seekrank und frühstückt erst mal Haferkekse. Um kurz vor 12 Uhr mittags machen wir fest.

Da der Wind nachmittags oft abflaut, beschließen wir nur für ein paar Stunden festzumachen und am Nachmittag einen zweiten Anlauf auf den Bøgestrom zu versuchen, aber daraus wird auch nichts. Der Wind lässt nicht nach und es fängt an zu regnen. Wir zahlen also die Hafengebühr in unserem ersten Hafen ohne Zahlautomaten sondern mit einem echten Hafenmeister (zum ersten Mal in bar und nicht mit Karte). Zwischen zwei Regenschauern gehen wir einkaufen.

Die Kuchenbude bauen wir aus Zeitgründen nicht auf, da wir am nächsten Tag wieder früh aufzustehen und einen zweiten Anlauf in den Bøgestrom unternehmen wollen. Die Strecke von Rødvig nach Faxe Ladeplads beträgt entlang der Küste 9 Seemeilen. Heute haben wir 20 Seemeilen zurückgelegt. Bei der Einfahrt in den Hafen hat Sylvie einen Fender über Bord verloren, wir sind bei weitem nicht so weit, wie wir sein sollten und uns läuft die Zeit davon. Spätestens am 12. Juli müssen wir zurück in Dachau sein, am 13. Juli muss Philipp wieder arbeiten. Es könnte besser laufen, Philipps Stimmung ist nicht gut. Die Notwendigkeit einen Interimshafen für Lady Garlic finden zu müssen scheint mittlerweile sehr real.

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