2020 – Odyssee im Öresund

Wir befinden uns auf der Insel Ven im Öresund und wir möchten weiter Richtung Süden. Im Osten des Sunds liegt Schweden und im Westen die Dänische Insel Seeland. Kopenhagen liegt gut erreichbar im Süden und Dänemark hat seine Grenzen nach dem coronabedingten Lockdown für Deutsche Segler wieder geöffnet. Zwar ist Kopenhagen eine noch größere Großstadt als Helsingborg, aber die Gelegenheit mit dem Segelboot nach Kopenhagen zu fahren, lässt man nicht sausen.

Es ist der 29. Juni, wir legen gegen 10 Uhr in Ven ab. Ziel Kopenhagen. Der Wind kommt mit 3-4Bft. aus Süden, wir müssen also aufkreuzen. Wir setzen das Großsegel und motoren noch bis wir das Südende Vens querab haben. Wir stoppen den Quirl, rollen die Fock aus und gehen am Wind auf Südostkurs. Mit der Zeit frischt der Wind auf und die Höhe der Wellen nimmt zu. Wir fahren ein paar Wenden, Lady Garlic liegt schief und zieht mit ordentlich Speed durchs Wasser. Nach dem Erlebnis des ersten Segeltags ist Sylvie trotz ähnlicher Bedingungen deutlich entspannter als auf unserer Etappe von Göteborg nach Varberg. Nur Hannah ist die Situation nicht geheuer und fängt irgendwann an zu weinen. Also rollen wir die Fock ein und starten den Motor, bevor wir das Fahrwasser erreichen, das zwischen der Insel Saltholm und Kopenhagen hindurchführt. Das Fahrwasser führt nach Süden, liegt genau im Wind, wir können also nicht segeln. Die Motortraverse hängt zu tief und der Außenborder wird deshalb gelegentlich von durchlaufenden Wellen überspült. Das hat Zündaussetzer zur Folge. Bei einer Welle geht unser Quirl dann aus und lässt sich auch nicht mehr starten. Kopenhagen können wir knicken.

Nur unter Großsegel gehen wir wieder auf Ostsüdostkurs in Richtung der Schwedischen Seite des Öresunds. Unser Ziel ist jetzt Barsebäkshamn. Wir schaffen es auf einem Bug (also ohne aufzukreuzen) bis kurz vor die Hafeneinfahrt, die eine knappe Seemeile in Luv im Süden liegt. Noch eine Wende und wir starten den Motor. Wir versuchen es. Aber das boshafte, kleine Miststück will nicht.

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder unter Segeln in den Hafen einzulaufen. Wir bergen das Groß und rollen die Fock zu etwa einem Drittel aus. Mit halbem Wind passieren wir die Molenköpfe. Der erste Versuch die Vorleine über den Heckpfahl einer Außenbox zu bekommen scheitert. Wir nehmen uns die nächste Box vor und schaffen es die Leine über den Pfahl zu bekommen. Der Wind bläst Lady Garlic weg von ihrem Heckpfahl, sodass wir zunächst zwar provisorisch aber sicher fest gemacht sind. Um eine freie Box zu erreichen, muss der Quirl wieder laufen. Er springt aber nicht an, weder mit Choke noch ohne. Zum Glück befindet sich in der Werkzeugkiste, die uns Bengt mitgegeben hat, eine Dose Starterspray. Zwei Hübe inhaliert und der Herr Außenborder lässt sich gnädig herab wieder anzuspringen. Vorleine los und ab in eine freie Box an Südmole. Um 16:45 Uhr liegen wir sicher mit vier Leinen festgemacht in Barsebäkshamn.

Neben der Marina befindet sich ein Strand und Hannah möchte ins Wasser. Soll sie… Es stört auch nicht, dass uns die Skyline Kopenhagens von Westen etwas höhnisch anblinkt. Morgen ist jedenfalls Hafentag.

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